„Die ‚Streamer‘ lösen die ‚Musikhamster‘ ab“

Aktuelle Musik im Internet kostenfrei hören? Ganze Alben sogar? Und alles legal? Ja, doch. Simfy macht’s möglich. Das Kölner Start-Up-Unternehmen ist der derzeit einzige deutsche On-Demand-Streamingdienst. Mittlerweile lassen sich mehr als sieben Millionen Titel unterschiedlichster Künstler direkt anwählen.  Die Hintergründe erläutert Pressesprecher Marcus von Husen.

In seiner jetzigen Form feiert simfy bald seinen ersten Geburtstag. Seid ihr mit eurer bisherigen Entwicklung zufrieden?

Marcus von Husen: Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. In weniger als neun Monaten hat sich simfy als der deutsche Streaming-Anbieter etablieren können. Täglich kommen viele neue Nutzer hinzu, die die Vorteile vom Musikhören per Streaming für sich entdecken.

Bis wann wollt ihr schwarze Zahlen schreiben und wie viele Premium-Nutzer braucht es dafür?

von Husen: Unsere Zeichen stehen auf Wachstum. In diesem Jahr besteht deswegen kein Zwang, schon profitabel zu arbeiten. Die absolute Zahl der Premium-Nutzer ist wichtig, aber nicht entscheidend. Es kommt auf die richtige Balance zwischen Free- und Premium-Usern an. Mehr als fünf Prozent zahlende Nutzer müssen es sein, damit sich das Modell profitabel betreiben lässt.

Auf wie viele Lieder können Nutzer derzeit im Basis-Bereich zugegreifen?

von Husen: Derzeit sind knapp 8 Millionen Titel im Basic-Bereich verfügbar, im Premium-Bereich sind es noch einmal eine halbe Million Titel mehr.

Nach welchen Kriterien werden Lieder ins Angebot aufgenommen?

von Husen: Es gibt Vereinbarungen mit allen Major Labels (EMI, Sony Music, Universal, Warner) und diversen Independent-Aggregatoren (z.B. Merlin, Finetunes, The Orchard). Grundsätzlich übernimmt simfy den kompletten Musik-Content dieser Labels. Das Repertoire von Warner Music ist aber nur für simfy-Premium-Nutzer verfügbar, da die Plattenfirma es bisher ablehnt, Content für eine Gratis-Nutzung freizugeben.

Es gibt aber auch Künstler und Bands, die es ablehnen, dass ihre Musik digital oder auf Streaming-Plattformen verfügbar ist. Bekannte Beispiele sind etwa AC/DC, deren Musik es überhaupt nicht als Download oder Stream gibt, Metallica oder in Deutschland Die Ärzte, Die Toten Hosen und Rammstein, die nicht  wollen, dass ihre Musik gestreamt wird.

simfy verzichtet bewusst auf eine kostenpflichtige Downloadfunktion. Warum?

von Husen: Bisher war der Besitz von Musik ein zentraler Aspekt im Leben von Musikkonsumenten. Vom Vinyl über Kassetten, CDs und MP3-Player bestand Innovation vornehmlich darin, dass mehr Songs auf weniger Platz untergebracht und Musik dadurch mobiler wurde. Mit der fortschreitenden Digitalisierung findet nun ein dramatischer Wandel statt – Zugriff statt Besitz, Streaming statt Download.

Aus unserer Sicht lösen die „Streamer“ die „Musikhamster“ ab. Mit der Verbreitung von mobilen Geräten, die quasi ständig mit dem Internet verbunden sind, verlagert sich die Musiksammlung der Nutzer immer mehr von der Festplatte direkt ins Netz. Schon jetzt empfangen Smartphones, Laptops und Tablets mit UMTS-Standard Daten mit DSL-Geschwindigkeit. 2011 kommt zudem der UMTS-Nachfolger LTE, der um ein Vielfaches höhere Geschwindigkeiten ermöglicht. Das macht Streaming auch in Regionen abseits der Ballungszentren noch attraktiver.

Das es heißt es geht weniger um den Besitz von Musik, wenn sowieso alles im Netz immer verfügbar ist, sondern darum, den Zugang zu dieser riesigen Musikbibliothek zu ermöglichen?

von Husen: Ja, der Zugang ist wichtig. Egal ob mit dem simfy-Player, über die Website oder unterwegs mit den Smartphone-Apps – acht Millionen Songs sind so jederzeit und überall verfügbar. Warum also überhaupt downloaden, wenn ich alternativ jederzeit auf ein riesiges Musikangebot zugreifen kann? Wieso einzelne Titel herunterladen, wenn nahezu jeder Song nur einen Klick entfernt ist?

Die Einbindung eures Angebots in soziale Netzwerke spielt dabei wahrscheinlich eine große Rolle?

von Husen: Auf jeden Fall! Für den Erfolg unseres Angebots spielen soziale Netzwerke natürlich eine wichtige Rolle. Freunde werden darüber künftig viel häufiger Musiktipps austauschen, auf eigene Playlists, einzelne Titel oder ganze Alben verlinken, als heute schon. Der Riesenvorteil: Man muss keine empfohlenen Songs kostenpflichtig runterladen, sondern kann alle Titel sofort hören und eigenen Playlists hinzufügen.

simfy finanziert sich einerseits aus Werbung, die im Basis-Bereich zwischen den Liedern laufen soll, und einem Abomodell für den Premium-Bereich. Ist es nicht eine große Gradwanderung einerseits mit dem Basis-Tarif so attraktiv zu sein, dass genügend User ihn nutzen und simfy Werbung schalten kann, andererseits im Premium-Tarif genügend Mehrwert zu bieten, dass möglichst viele Nutzer diesen nutzen, damit aber für die Werbung verloren gehen?

von Husen: Beide Geschäftsmodelle sind in sich schlüssig und funktionieren insbesondere im Zusammenspiel. Dabei bedienen beide Konzepte unterschiedliche Zielgruppen – für jedes Portemonnaie, für Musikliebhaber, die überall auf alles zugreifen können wollen genau so wie für gelegentliche Musikkonsumenten.

Und wie häufig werden Werbespots zwischen die Lieder geschaltet?

von Husen: Alle drei Songs kommt ein allein stehender Audio- oder Videospot, der ggf. um ein Banner ergänzt werden kann. Begleitend gibt es weitere Bannerwerbung.

Seit einiger Zeit gibt es simfy auch in der Schweiz. Plant ihr in weitere europäische Länder zu expandieren?

von Husen: Ja, es gibt aber noch keine konkreten Ziele, die ich Ihnen bereits nennen kann.

Wo sind die größten Hürden für Wachstum, sowohl innerhalb Deutschlands als auch außerhalb?

von Husen: Außerhalb Deutschlands ist die erste und wichtigste Hürde sicherlich die Einigung mit den Labels und den jeweiligen Verwertungsgesellschaften. Mit der GEMA hat man da aber im europaweiten Vergleich vermutlich bereits die härteste Nuss geknackt.

Welche Neuerungen sind von simfy in naher Zukunft zu erwarten?

von Husen: Wir kooperieren seit kurzem mit den VZ-Netzwerken, Kabel Deutschland und ganz aktuell mit o2, im nächsten Quartal wird es weitere Kooperationen mit Partnern aus verschiedenen Branchen geben. Zudem werden wir bald eine eigene App für Apples iPad sowie für Blackberry-Telefone anbieten. Daneben werden wir auch das Content-Angebot beständig erweitern.

Was wird mit simfy passieren, wenn Spotify nach Deutschland expandiert? Oder wenn andere große Player wie Apple, Google, Sony ins Streaming-Geschäft einsteigen wollen? Ist dann nicht zu befürchten, dass die Nutzer zu den anderen Anbietern abwandern?

von Husen: simfy steht mit seinem Angebot auf dem deutschen Markt nahezu alleine da. Natürlich beobachten wir den Markt. Ob und wann ein weiteres Angebot in Deutschland startet, ist derzeit offen.

Klar ist: In Deutschland haben wir die Nase vorn – mit der Einigung mit der GEMA, Vereinbarungen mit den vier Majorlabels sowie verschiedenen wichtigen Independent-Aggregatoren bieten wir eine große Menge an Titeln und dabei eine große Vielfalt in der Musikfarbe. Und das Angebot ist in der Basisversion komplett kostenlos!

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