Das Reiseziel bleibt unbekannt

Dass sich die öffentliche Diskussion hierzulande in den vergangenen Wochen vor allem um den Begriff der Arbeit gedreht hat und ein krakeelender Guido Westerwelle in ihrem Mittelpunkt stand, dafür können die Shout out Louds nichts. Ein amüsanter Zufall ist es trotzdem, das genau jetzt das dritte Album der sympathischen Schweden erscheint und den Titel „Work“ trägt.

Ein Titel übrigens, der gut passt. Denn das die ehemaligen Kunststudenten Arbeit in ihr drittes Album gesteckt haben, ist anzunehmen. Gilt das Dritte doch als verflixtes Album, das über den weiteren Weg entscheidet: Die Erwartungen sind meist groß und nicht selten können diese nicht erfüllt werden – viele zerbrechen daran. Besonders, wenn es für eine Band wie die Shout out Louds bis dato stetig nach oben ging.

Die Kunstakademie verbindet

Kennengelernt hatten sich Adam Oelnius (Gesang), Bebban Stenborg (Keyboard), Carl von Arbin (Gitarre), Ted Malmros (Bass) und Eric Edman (Schlagzeug) 2001 an der Kunstakademie in Stockholm und gründeten kurz darauf Shout Out Louds. Nach einigen sehr Sixties-lastigen Singles erschien in Schweden 2003 ihr Debut-Album „Howl Howl Gaff Gaff“, das viel Freunde in der Indiegemeinde fand. So viele, dass sich Capitol Records zwei Jahre spter dazu entschied, das Album noch einmal weltweit zu veröffentlichen. Im Jahr 2007 erschien der Nachfolger „Our Ill Wills“, der deutlich von 80er Jahre-Pop geprägt war. Ausgedehnte Touren folgten, bis sich die Band zu einem Break entschied, um Kräfte für den dritten Streich zu sammeln, der dann im vorigen Jahr in Seattle aufgenommen wurde.

Schluss mit der kindlichen Naivität

Das Resultat sind zehn Lieder, die weniger kindlich-naiv klingen als die beiden Vorgänger. „Work“ wartet stattdessen mit einem unterkühlten New Wave Sound auf, der in seinen besten Momenten vor allem durch die kleinen Keyboard-Melodien an The Cure erinnert, und trotzdem von der Sixties-Melodik nicht ganz lassen kann. Das Schlagzeug zieht über die zehn Lieder hinweg stoisch seine Kreise, während die Gitarren auf „Work“ wieder deutlicher im Vordergrund stehen, als beim Vorgänger. „’Our Ill Wills‘ war mehr so in Richtung Drama plus Streicher plus Percussions minus Gitaarre. Dieses Mal dreht sich alles um die Gitarren und nicht um irgendwelche extra Instrumente“, sagte Gitarrist Carl dazu dem Musikblog nicorola.

Unterkühlter New Wave trifft Sixties-Sound

So ist ein Album entstanden, bei die Gitarren klar auf den Punkt kommen und sich dabei nicht in unnötigen Soli oder anderen Experimenten verlieren. Auch die dezent eingesetzten Streicher werden nur wohl kalkuliert eingesetzt und ändern nichts an dem minimalistischen Klang. Dazu der Gesang von Adam Oelnius, der mit klarer Stimme seine Texte über Herzschmerz, kleine Geheimnisse und Entfremdung mit Hingabe singt. Von Melancholie fehlt meist jede Spur.

Robert-Smith-Gedächtnispreisträger

Gleich der Opener „1999“, der übrigens kein Prince-Cover“ ist, geht gut ins Ohr. Ein leicht unterkühlter New Wave Song, bei dem die Band besonders wegen den Melodien, die Keyboarderin Bebban ihrem Instrument entlockt, den Robert-Smith-Gedächtnis verliehen bekommen müsste. Dann kommt auch schon die Singleauskopplung „Fall Harder“, die dank ihrem hymnischnen Refrain ähnlich begeistern kann. Ebenso gefällt die dritte Nummer, „Play the game“, die nicht ganz so stürmisch daher kommt, wie die beiden vorherigen Songs, sondern auch dank des dezenten Streichereinsatzes, etwas den Fuss vom Gas nimmt. Etwas Luft holen tut gut, denn darauf folgt der Tanzflächenfüller des Albums, „Walls“, der besonders zum Ende nochmals richtig an Dynamik gewinnt.

Am Schluss: Fifty – Fifty

Bis dahin ein prima Album, doch dann kommt der Bruch. Die Shout Out Louds können das Niveau nicht halten. Die nächsten Songs plätschern nur noch vor sich hin. Sicher,jeder Song klingt – für sich genommen – nett und ist gut arrangiert, doch wirklich hängen bleiben die nächsten fünf Lieder nicht. Auch nach mehrmaligem Hören will sich keiner der Songs einprägen. Und plötzlich wird man kurz vor Ende des Albums von „Show me something new“ doch noch aus dem Dämmerschlaf gerissen – ein echter Ohrwurm, der ein versönlicher Abschluss hätte sein können, wenn da nicht das letzte, reichlich einschläfernde Lied, „Too late too slow“ wäre. So bleibt der Hörer mit einem durchschnittlichen Eindruck zurück und die Frage, wohin die Reise mit den Shout out Louds noch geht, muss an dieser Stelle unbeantwortet bleiben.

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