Der Stream löst den Download ab

Es war nur eine relativ kleine Meldung, die am Montag in diversen Zeitungen und auf verschiedenen Nachrichtenseiten zu lesen war, doch sie könnte die Musikgeschäft auf den Kopf stellen – mal wieder.

„Apple kauft den Streamingdienst Lala“, war so oder so ähnlich zu lesen. Apple reagierte mit dem Kauf von lala.com, den sich das Unternehmen laut dem Wall Street Journal 85 Millionen US-Dollar kosten ließ, scheinbar auf die wachsende Beliebtheit von Streamingangeboten im Internet. Ob Musik, Film oder Fernsehen – fast alles lässt sich mittlerweile direkt – legal oder illegal – im Internet anhören oder ansehen, ohne das der Nutzer es auf seinen Rechner herunterladen müsste – eine entsprechend schnelle Internetverbindung vorausgesetzt. Die haben aber immer mehr Nutzer.

Ein großer Nachteil des Streams war bislang, dass sie kaum mobil einsetzbar war. Doch seitdem das Internet immer mobiler wird, kann zumindest im städtischen Raum per Smartphone oder Netbook fast überall auf die Streamangebote zugegriffen werden, entsprechend steigt die Zahl der Anbieter.

Kostenloskultur bei MySpace Music

So sind in jüngster Zeit zahlreiche Start-Ups in Europa und den Vereinigten Staaten aus dem Boden geschossen, die über Lizenzen der vier großen Plattenfirmen verfügen und deren Kataloge anbieten.

Voriges Jahr ging in den Vereinigten Staaten MySpace Music an den Start. Die Nutzer können dort kostenfrei das vollständige Repertoires der vier großen Major-Labels Universal Music, Warner Music, EMI und Sony Music anhören. Kosten fallen keine an. Dafür ist der Dienst auf den PC beschränkt und auf dem Handy nicht möglich. Allerdings wird die Musik über eine Kooperation mit Amazon zum Kauf angeboten. MySpace Music will sich vor allem über Werbung finanzieren. Seit Anfang Dezember ist der Dienst auch in Großbritannien zugänglich.

Skype-Gründer bringen Konkurrenten an den Start

Ein möglicher Konkurrent für MySpaceMusic könnte Rdio werden. Hinter dem  Musikonlinedienst, der Anfang 2010 starten soll, steckt niemand Geringeres als der Niklas Zennström und der Däne Janus Friisen, Mit Skype, dem Videodienst Joost und der Tauschplattform Kazaa haben die beiden Skandinavier schon mehrmals bewiesen, dass sie ein Start–Up zum Erfolg führen können. Im Gegensatz zu MySpace Music, wird das Streamangebot jedoch nicht kostenfrei sein. Nutzer müssen ein Abo für einen bestimmten Zeitraum abschließen, in dem sie jedoch das komplette Angebot nutzen können. Eine Downloadfunktion soll es nicht geben. Die großen Labels sollen auch mit an Bord sein.

Markführer Spotify setzt auf Abos

Bisheriger Marktführer unter den Streamingdiensten mit einer Reichweite von rund 5 Millionen Nutzern ist derzeit das europäische Spotify, die damit aber weit unter der Reichweite der beliebtesten Downloadangebote liegt. Deutlich darunter liegt bisher die Reichweite von Lala, die zuletzt rund 100.000 Nutzer hatten. Jetzt könnte Musikstreaming endgültig der Durchbruch gelingen, denn laut Expertenmeinung wird Apple Lala in iTunes integrieren. Damit läge die Reichweite bei mehr als 100 Millionen Internetnutzern.

Durchbruch dank Apple?

Dass dies nicht unwahrscheinlich ist, zeigt die jüngere Vergangenheit, denn fast alles was Apple anpackte, wurde zum Erfolg.

Mit iTunes bewies Apple, dass es doch möglich ist, mit mp3s Geld zu verdienen, obwohl sie auch illegal heruntergeladen werden können.

Aus schmucklosen mp3-Playern machte Apple hippe Multimediageräte. Das iPhone revolutionierte den Mobilfunkmarkt und brachte die Kommunikationsgrenzen zum Einsturz. Und mit den Apps für das iPhone, verdient das Unternehmen auch nach dem eigentlichen Geräteverkauf munter an jedem iPhone mit.

Diese Erfolge haben eins gemeinsam: Apple erfand nichts wirklich neu, sondern machte schon Bestehendes besser und so zum Erfolg.

Schon vor iTunes gab es mehrere mal mehr, mal weniger halbherzige Versuche, eine Downloadplattform für kostenpflichtige mp3s zu starten, die das komplette Repertoire der großen Labels und wichtigsten Indies vereint und so eine Antwort auf die illegalen Tauschplattformen wie Napster oder Kazaaa hätte sein können. Alle Versuche scheiterten meist an der Uneinigkeit der Plattenfirmen.

Auch vor dem iPod gab es mp3-Player. Doch diese waren meist bedienerunfreundlich, hatten kaum Speicherplatz und hatten den Charme eines Verwaltungsfachangestellten.

Die Vision aus Handys Multimediageräte zu machen, mit denen man telefonieren, im Internet surfen, Musik hören oder Filme anschauen kann, gab es auch vor dem iPhone. Doch Apple waren die ersten, die diese Vision Wirklichkeit werden ließen. Und auch die Apps für das iPhone sind keine Erfindung von Apple. Kleine Spiele oder Hilfsprogramme für das Handy konnte man sich auch schon vorher gegen Geld auf das Handy laden, doch erst Apple machte ein Riesengeschäft daraus.

Viele Vorteile für Apple

Streams haben also eine gute Chance der nächste Renner von Apple zu werden und nebenbei mal wieder das Musikgeschäft auf den Kopf zu stellen. Was Apple wirklich mit Lala vor hat, wollte das Unternehmen offiziell nicht mitteilen. Dass Apple aus iTunes mehr als nur eine Downloadplattform machen will, zeigt sich jedoch immer deutlicher. Schon heute können Filme und Fernsehserien gegen eine Leihgebühr gestreamt werden.

Die Erweiterung von iTunes zum Streaming-Portal hätte für Apple mehrere Vorteile: Der Markt würde größer, da Apple unabhängiger von der Software würde, da mp3s dann direkt auf der iTunes-Seite gegen eine Gebühr komplett angehört werden könnten. Außerdem wäre könnten die mp3s von jedem Nutzer per Internetsuche gefunden, vorgehört und gekauft  werden, da die Musikdateien in einer sogenannten Cloud lagern würden. Apple würde zudem die Kosten und den Support für den Softwaredownload einsparen. Die Planungen schein schon weit gediehen zu sein, denn laut Wall Street Journal sollen schon die ersten Lala-Leute bei Apple in Schlüsselpositionen aufgerückt sein.

Keine gute Nachricht für die Musikindustrie

Für die Plattenfirmen ist Apples Kauf von Lala keine gute Nachricht. Bisher nutzten die Labels ihre Macht, um Start-Ups wie Spotify oder We7 die Preise und Abo-Modelle aufzuzwingen. Das Apple das mit sich machen lässt, ist unwahrscheinlich, wie die Vergangenheit gezeigt hatte. Bei den iTunes-Downloads war es genau umgekehrt. Apple diktierte den Labels den Preis – und das nicht zu deren Vorteil.

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2 Antworten zu “Der Stream löst den Download ab

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