Public Enemy wie Angelika Express

Public Enemy @ Castillo Negro - Tenerife - Islas Canarias - 20/04/2007 Bild: via Flickr von Ventura MendozaPublic Enemy machen einen auf Angelika Express: Für die Finanzierung ihres  nächsten Albums will die amerikanische Hip-Hop-Legende 250.000 US-Dollar von ihren Fans einsammeln. Einen neuen Vertriebsweg, der raus aus der Krise der Musikindustrie führt, haben sie damit nicht gefunden.

Über die Musikplattform sellaband.com wollen die Mannen um Chuck D. Anteile zu jeweils 25 Dollar an ihre Fans verkaufen. Wenn die 250.00 Dollar erreicht sind, geht es ins Studio. Fans können auch mehr als einen Anteilsschein erwerben, sodass höchstens 10.000 Fans das neue Album finanzieren werden. Ist die Platte dann im Kasten, bekommen die Fans eine fertige CD zugeschickt und partizipieren hinterher an den Verkaufserlösen durch CD-Verkäufe und Werbeeinnahmen, die auf sellaband.com mit den Künstlern generiert werden. So sollen die zahlenden Fans rund 33 Prozent der Verkaufserlöse bekommen.

Besondere Anreize für Edel-Fans

Kauft ein Fan zehn Anteile, erhält er zusätzlich ein exklusives und limitiertes Public Enemy T-Shirt. Wer sich mit 1000 Dollar an der Produktion beteiligt, darf die nächsten drei Jahre mit einem Backstage-Pass rumwedeln und die Jungs hinter den Kulissen erleben. Wer es richtig exklusiv mag und sich das leisten kann, darf für 10.000 Dollar nicht nur im Backstage herumhängen, sondern auch im Studio, während der Albumproduktion.

Mindestens 50.000 Dollar sind zu sammeln

Sellaband.com wurde 2006 in Amsterdam gestartet. Es ist laut eigener Darstellung ein Portal für „Fan Fundes Music“ – also für Fan-finanzierte-Musik. Als Musiker oder Band kann sich kostenlos registrieren lassen und dann hoffen, dass sich genügend Fans – bei sellaband.com „Believer“ genannt – finden, die mindestens 10 Dollar für einen Anteilsschein erwerben und damit irgendwann die Produktion eines Albums finanzieren. Nämlich dann, wenn 50.000 Dollar erreicht sind. Diese Summe gilt bei Sellaband als Untergrenze. Wer die nicht erreicht, darf nicht ins Studio.

Public Enemy sind am Bekanntesten bei Sellaband

Seit Geschäftsbeginn sind auf diesem Weg laut Aussagen des Unternehmens 34 Alben entstanden, die von den Fans der Künstler finanziert wurden. Insgesamt sollen mehr als 3.000.000 Dollar in unabhängige Künstler investiert worden sein.

Public Enemy sind die bisher bekannteste Band, die versucht über das Portal ein Album zu finanzieren. Bisher scheinen sie gut voranzukommen: Seit der Bekanntgabe ihres sellaband-Deals am 7. Oktober sind bis heute (11. Oktober) 30.150 Dollar zusammengekommen. Geht es in der Geschwindigkeit weiter, dann haben Public Enemy bald das Geld für die Produktion zusammen. Aufgrund ihres Bekanntheit dürfte das Public Enemy auch gelingen.

Kaum eine Band wird genügend Geld einsammeln

Anderen bei sellaband-registrierten Künstlern und Bands fällt das jedoch wesentlich schwerer. Diese sind meist weniger bekannt. Für sie stellen die 50.000 Dollar eine schwer überwindliche Hürde dar. Denn nur wenn die Summe erreicht wird, müssen die Believers ihre zugesagte Summe wirklich zahlen. Bis dahin kann jeder Believer sein zugesagtes Geld wieder stornieren. Das heißt für die Bands, dass sie unter Umständen lange warten müssen und sich nie sicher sein können, wann und ob ihr Album finanziert wird.

Derzeit werben 2896 Künstler (Stand: 11.Oktober 2009) um finanzielle Unterstützung. Manche von ihnen schon seit Jahren. So zum Beispiel der in Frankfurt geborene Künstler Kirt, der von Anfang an bei sellaband dabei ist. Bislang hat er via sellaband knapp 20.000 Dollar eingesammelt – und das nach rund drei Jahren. Damit gehört immerhin zu den wenigen Künstlern, die  eine fünfstellige Sume eingesammelt haben. Trotzdem: Fließt das Geld in diesem Tempo weiter, könnte er etwa 2013 ins Studio. Für einen Künstler natürlich ein viel zulanger Zeitraum. Auch für Kirt, der sein Album „Cyan“ mittlerweile auf anderem Weg finanziert hat und jetzt hofft über sellaband das nächste Album finanzieren zu können.

Für unbekannte Bands ist sellaband sinnlos

So wie Kirt dürfte es vielen Bands des Portals gehen. Die wenigsten bei sellaband registrierten Bands dürften die 50.000 Dollar jemals erreichen. Zumindest so lange, wie sie nicht über einen gewissen Namen und eine Fanbase verfügen. Jede Band, die sich bei sellaband registriert sollte sich deshalb fragen: Brauchen wir wirklich soviel Geld um ein Album zu produzieren und zu promoten? Die meisten Bands dürften die Frage mit „Nein“ beantworten. Ein Album lässt sich auch preiswerter aufnehmen und herstellen.

Andere Finanzierungswege

Das es auch andere Möglichkeiten und vor allem welche, für die man keine gibt Webplattform braucht, ein Album zu finanzieren, bewiesen Angelika Express mit ihrem dritten Album „Goldener Trash“ , das im Februar 2009 erschien. Es wurde komplett von den Fans finanziert. Fans und Investoren konnten sich für je 50 Euro Anteile an dem Album sichern und bekommen im Gegenzug 80 Prozent vom Gewinn der Verkäufe von CDs und Downloads. Die Anzahl der “Aktien” war auf 500 limitiert und ein voller Erfolg. Angelika Express stoppten die Aktion, nachdem 1000 „Aktien gezeichnet“ wurden. Die 500 „Aktionäre wurden anschließend ausgelost. Mit dem eingesammelten Betrag von 25.000 Euro wurden schließlich das Studio, die CD-Pressung und die Promotion bezahlt.

Get in the van and get on the stage!

Dass die Aktion bei Angelika Express so gut funktioniert hat, lag sicher auch am relativ hohen Bekantheitsgrad der Band, aber grundsätzlich steht dieser Weg ja jeder Band frei. Warum nicht auf eigene Faust versuchen, bei seinen 5000 Myspace-Freunden ein paar Euro für die nächste Plattenproduktion einzusammeln? Und wenn das nicht funktioniert: CDs pressen lassen, ist so preiswert wie noch nie, Homerecording beliebt wie selten und auch mit einem PC plus Audacity lassen sich im Proberaum passable Ergebnise erzielen. Und dann heißt es: Get in the van und raus in die Welt, den Arsch abspielen. Denn ohne Livepräsenz wird niemand Rockstar. Auch im digitalen Zeitalter nicht.

P.S. Interessante Artikel zu sellaband.com findet hier und hier.

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